
Profiltiefe messen: mit Münze, Messlehre und Abriebanzeiger
Wie viel Profil haben meine Reifen noch? So messen Sie in zwei Minuten richtig – und warum 4 mm bei Winterreifen und 1,6 mm bei Sommerreifen die wichtigsten Zahlen sind.
Der Reifen ist die einzige Verbindung zwischen Auto und Straße – und das Profil entscheidet, wie gut diese Verbindung bei Nässe, Schneematsch und Schnee funktioniert. Vor dem Wechsel auf Winterreifen lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Die gute Nachricht: Messen können Sie selbst.
In Österreich gelten Winterreifen nur mit mindestens 4 mm Profiltiefe (Radialreifen) als Winterreifen. Sommerreifen sind ab 1,6 mm abgefahren – wir empfehlen den Tausch schon bei 3 mm. Messen Sie mit einer Profiltiefenmesslehre an mehreren Stellen, immer in der Hauptrille.
Methode 1: Profiltiefenmesslehre
Am genauesten ist eine Messlehre, die es um wenige Euro im Zubehörhandel gibt. Den Stift ganz einfahren, die Lehre in die Hauptrille stecken (nicht auf einen Abriebsteg), bis die Auflage auf dem Profilblock sitzt, dann ablesen. Messen Sie jeden Reifen innen, in der Mitte und außen und an zwei bis drei Stellen am Umfang. Ausschlaggebend ist die geringste Tiefe.
Methode 2: die Euro-Münze
Für eine schnelle Einschätzung hilft eine Münze: Bei einer 1-Euro-Münze ist der goldfarbene Rand etwa 3 mm breit. Verschwindet der Rand in der Rille vollständig, ist noch mehr als rund 3 mm Profil vorhanden. Für Winterreifen und ihre 4-mm-Grenze ist die Münze zu ungenau – greifen Sie dann besser zur Messlehre.
Methode 3: der Abriebanzeiger (TWI)
In den Hauptrillen jedes Reifens sitzen kleine Stege, die Tread Wear Indicators. Ihre Position zeigt ein kleines Dreieck oder „TWI" an der Reifenschulter. Ist das Profil bis auf diese Stege abgefahren, bleiben nur noch 1,6 mm – dann ist der Reifen gesetzlich am Ende. Viele Winterreifen haben zusätzlich einen Anzeiger bei 4 mm.
Die Grenzen im Überblick
| Reifen | Gesetzliches Minimum | Unsere Empfehlung |
|---|---|---|
| Winterreifen (Radial) | 4 mm | ab ca. 5 mm Ersatz einplanen |
| Winterreifen (Diagonal) | 5 mm | – |
| Sommerreifen | 1,6 mm | Tausch ab 3 mm |
| Ganzjahresreifen im Winter | 4 mm (M+S) | wie Winterreifen |
Warum mehr als das Minimum? Mit abnehmender Profiltiefe kann der Reifen weniger Wasser verdrängen. Der Bremsweg auf nasser Fahrbahn wird spürbar länger und die Aquaplaning-Gefahr steigt deutlich – lange bevor die gesetzliche Grenze erreicht ist. Alle Regeln zur Winterzeit finden Sie im Beitrag Winterreifenpflicht in Österreich.
Was ungleichmäßiger Abrieb verrät
| Verschleißbild | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Beide Schultern stärker abgefahren | Reifendruck dauerhaft zu niedrig |
| Mitte stärker abgefahren | Reifendruck zu hoch |
| Nur eine Schulter abgefahren | Spur oder Sturz verstellt – Achsvermessung |
| Auswaschungen, Dellen im Profil | Stoßdämpfer verschlissen oder Unwucht |
Ungleichmäßiger Verschleiß ist ein Fall für die Achsvermessung. Wie sich der Luftdruck auswirkt, zeigt Reifendruck richtig einstellen.
Neben dem Profil zählt das Alter: Gummi härtet mit den Jahren aus. Wie Sie es ablesen, lesen Sie unter Reifenalter und DOT-Nummer.
Warum Profil auf Schnee und Nässe so wichtig ist
Auf nasser Fahrbahn muss der Reifen Wasser verdrängen – bei Autobahntempo sind das pro Reifen mehrere Liter pro Sekunde. Je flacher das Profil, desto früher schwimmt der Reifen auf (Aquaplaning). Auf Schnee wirkt das Profil anders: Die Lamellen verzahnen sich mit dem Schnee, und Schnee haftet am Schnee besser als Gummi am Schnee. Mit sinkender Profiltiefe schließen sich die Lamellen, der Reifen verliert genau diese Fähigkeit. Deshalb ist die 4-mm-Grenze für Winterreifen kein bürokratischer Wert, sondern eine Sicherheitsgrenze.
Wann der richtige Zeitpunkt zum Messen ist
- Vor dem Wechsel auf Winterreifen (September/Oktober)
- Beim Einlagern – lohnt sich der Satz für die nächste Saison?
- Vor längeren Urlaubsfahrten
- Wenn das Auto bei Nässe früher rutscht als gewohnt
- Bei Ganzjahresreifen zweimal im Jahr
Vorne oder hinten – wohin die besseren Reifen?
Wenn Sie nur zwei neue Reifen kaufen, gehören die besseren nach Empfehlung vieler Reifenhersteller auf die Hinterachse – auch bei Frontantrieb. Der Grund: Verliert die Hinterachse in einer Kurve bei Nässe zuerst die Haftung, übersteuert das Auto, und das ist für normale Fahrer schwerer zu kontrollieren als ein Untersteuern. Bei manchen Fahrzeugen gibt es abweichende Herstellervorgaben – im Zweifel fragen.
Reifen tauschen über Kreuz?
Ein Tausch zwischen Vorder- und Hinterachse beim saisonalen Wechsel sorgt für gleichmäßigeren Verschleiß. Bei laufrichtungsgebundenen Reifen bleibt die Seite gleich (vorne links nach hinten links), bei asymmetrischen Reifen ohne Laufrichtung ist mehr möglich. Wir notieren beim Reifenwechsel die Position und die gemessene Profiltiefe jedes Rads.
Notieren Sie sich die gemessenen Werte mit Datum. So sehen Sie, wie schnell Ihre Reifen verschleißen, und können den Neukauf planen, statt im November überrascht zu werden.
Unsicher, ob Ihre Reifen noch einen Winter schaffen? Wir messen kostenlos nach. Termine und Fragen gerne telefonisch unter +43 660 817 43 43 – ÖZA KFZ-Fachbetrieb, Bayerhamerstraße 22b, 5020 Salzburg.
Häufige Fragen
Wie viel Profil müssen Winterreifen in Österreich haben?
Mindestens 4 mm bei Radialreifen und 5 mm bei Diagonalreifen. Darunter gelten sie rechtlich nicht mehr als Winterreifen.
Ab wann sind Sommerreifen abgefahren?
Gesetzlich ab 1,6 mm. Aus Sicherheitsgründen empfehlen wir den Tausch ab etwa 3 mm.
Kann ich die Profiltiefe mit einer Münze messen?
Für eine grobe Einschätzung ja: Der Rand einer 1-Euro-Münze ist etwa 3 mm breit. Für die 4-mm-Grenze bei Winterreifen ist eine Messlehre genauer.
Wo misst man die Profiltiefe?
In den Hauptrillen, an mehreren Stellen über die Breite und den Umfang. Maßgeblich ist der niedrigste Wert.